“Das Labyrinth der Spiegel” von Sergej Lukianenko, lieh mir mein Mitbewohner aus, als ich mit ihm über ein Element meiner Romanidee sprach. Sehr interessiert las ich die Geschichte und bin gerne in die Welt eingetaucht. Das Ende enttäuschte jedoch.

Der Autor war mir durch die “Wächter-Romane” bekannt, und so war ich gespannt was mich erwartete.

Spannung, Charaktere & Setting

Von Beginn an fand ich die Geschichte und das Setting sehr interessant. Es existiert eine Virtuelle Realität, in die sich der Mensch nur mit Hilfe eines Computers einloggen kann und weil die künstliche Realität aber so real ist, taucht der menschliche Geist so tief hinab, dass er nur durch technische Maßnahmen am Computer (z.B. einen Internet-Notausschalter) die Welt verlassen kann. Im Buch wird deshalb diese virtuelle Realität die “Tiefe” genannt.

Es sei denn man gehört zu den wenigen Menschen mit der Fähigkeit, sich auch ohne diese Maßnahmen aus der Tiefe rausziehen zu können. Wer diese Gabe besitzt, dem bieten sich völlig andere Möglichkeiten und Protagonist Ljonja macht sich das auch zu Nutze.

Ohne viel verraten zu wollen, möchte ich doch erwähnen, dass sich Ljonja im Verlauf der Geschichte durch eine modifizierte Version des Computerspiels “DOOM” durchkämpfen musste, was einen nostalgischen Kern in mir traf und für “alte Freude” sorgte.

Ljonja ist kein besonders tief ausgearbeiteter Charakter und auch alle anderen Charaktere sind flach gestaltet, aber die abwechslungsreiche Handlung und das entdecken von neuen Dingen in der virtuellen Welt ließen mich darüber hinwegsehen.

Das Ende wirkte stark nach Deus Ex Machina. Ljonja musste sich von Beginn an stets etwas einfallen lassen, um aus seinen brenzligen Situationen herauszukommen, doch ab Hälfte des dritten Akts löst sich alles in Gefallen auf. Happy End plus ein Häubchen Sahne obendrauf. Das war dann doch ein bisschen ziemlich unglaubwürdig.

Schreibstil

Die deutsche Übersetzung ließ sich flüssig lesen. Mir ist weder etwas positives noch negatives aufgefallen. An den Stellen wo englische Begriffe verwendet wurden, fragte ich mich jedoch, ob Lukianenko in seinem Original auch englische Begriffe (zumindest phonetisch) verwendete, oder die englische Begrifflichkeit aus dem deutschen Lektorat kam. Authentischer hätte ich russische Begriffe gefunden, zumal der Autor und der Erfinder im Buch der „Tiefe“ Russen sind.

Gestaltung

Auf dem Cover ist ein zerbrochener Spiegel zu sehen, in dem sich ein Rabe spiegelt. Auf die Geschichte bezogen ergibt das gar keinen Sinn. Ansonsten wirkt die Cover-Gestaltung eher wie für einen Thriller gedacht als für ein Sci-Fi/VR-Abenteuer.

Interessant und sehr passend fand ich jedoch die Kapitelnummern, die im Binärcode dargestellt wurden. Diesen hätte man doch wunderbar anstelle des Raben zeigen können. Das wäre jedenfalls stimmiger geworden.

Fazit

Alles in allem fühlte ich mich gut unterhalten und das World Building inspirierend. Aber es ist ein Buch, das ich wahrscheinlich wieder vergesse und mich definitiv nicht im Regal begleiten wird.


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Schreibstil
Gestaltung