Viele Jahre stand dieses Buch ungelesen in meinem Regal. Jetzt war es endlich soweit, dass ich mir Zeit und Muße nahm, um “den Hunderjährigen” von Jonas Jonasson zu lesen. Enttäuscht wurde ich nicht, aber die Begeisterung vieler anderer teile ich auch nicht. Die Geschichte ist belang- und emotionslos.

Spannung, Charaktere & Setting

„Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ erzählt die Lebensgeschichte von Allan Karlsson, der an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Altersheim flieht.

Während Allan aus dem Fenster steigt und sich aus dem Staub macht, springt die Erzählung chronologisch in der Zeit zurück und schildert Allans abenteuerliche Verwicklungen in große politischen Ereignisse.

In reinster Forrest-Gump-Manier beeinflußt Allan die großen Kriege und überlebt diese in stoischer und naiver Gelassenheit. So gerät der Hundertjährige häufig in kritische Momente und trifft auf karikierte Politiker und Weggefährten. Ob nun Elefantenbesitzerin Gunilla oder der misstrauische Kim Il-sung und dessen Sohn. Allans Leben ist eine Kette von (un)glücklichen Zufällen.

Ich fühlte mich manchmal unterhalten, aber oft auch nicht. Die gesamte Geschichte war nämlich belanglos und emotionslos. Ich führe das auf Allans Charakter zurück, denn in ihm herrschte kein Konflikt. Es war also egal was Allan tat, denn er tat es, weil er es tat. Buddhistische Gelassenheit in allen Ehren, aber da ich als Leser auch nichts aus Allans Innenleben erfuhr, wurde es einfach langweilig.

Schreibstil

Grundsätzlich lässt sich das Buch leicht und flüssig lesen, aber mir fiel auf, dass es im Buch Dialoge gibt, die keine richtigen Dialoge sind.

Der Schalterbeamte sah müde aus. Und er musste irgendwann mitten in Allans Ausführungen den Faden verloren haben, denn nach kurzer Bedenkzeit erkundigte er sich:
»Und welches Reiseziel hatten Sie dabei im Sinn?”
Allan setzte neu an und erinnerte das Männchen daran, dass er das Reiseziel und somit auch die Streckenführung als untergeordnet betrachtete und größeren Wert auf a) Abfahrtszeit und b) Kostenpunkt legte.

Jonasson, J. (2013). Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (S. 11). München: Random House

Überhaupt sprachen sehr oft nur die anderen und die Antwort des Hundertjährigen wurde beschrieben. Die Schreibtechnik “Show, don’t tell” wurde hier jedenfalls von Jonas Jonasson nicht verwendet. Es wird also viel erklärt und wenig gehandelt.

Gestaltung

Das Coverdesign finde ich richtig schön. Ich begrüße es auch, dass dieser Stil auf die anderen Bücher von Jonas Jonasson übertragen wurde. 

Schade – und auch seltsam – finde ich, dass es “den Hundertjährigen” einfach nicht als Hardcover gibt, wo doch genug Auflagen verkauft werden. Vor allem weil auch die Nachfolger als gebundene Bücher erschienen sind. Buchliebhaber werden so eher nur die Taschenbücher kaufen, damit sie im Regal im Einklang stehen können.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man im Buch viele Schauplätze besucht, die irrwitzig miteinander verbunden wurden. Aber mir fehlte der Grund weshalb mich das kümmern sollte. Von daher traf es nicht meinen Geschmack.


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